An einer Glas-Magnettafel halten nur Neodym-Magnete zuverlässig, und zwar keine flachen Plättchen, sondern Würfel, Scheiben oder Kegel mit mindestens 4 mm Höhe. Für einzelne Zettel und Fotos reichen Modelle mit 8 bis 10 mm Durchmesser und einer Katalog-Haftkraft um 2 bis 4 kg. Für Karton, dicke Karten oder mehrere Blätter nimmst du 12 bis 15 mm oder einen Kegelmagneten mit Griff. Die bunten Ferritmagnete aus der Schublade kannst du an Glas vergessen.
Kurz gesagt
- Zwischen Magnet und Stahl liegen bei Standard-Glastafeln etwa 4 bis 5 mm Glas. Schon 0,5 mm Abstand können die Haftkraft halbieren.
- Die Haftkraft im Shop gilt für direkten Kontakt mit 2 cm dickem Stahl. An deiner Tafel kommt davon nur ein kleiner Teil an.
- An der senkrechten Tafel zählt die Verschiebekraft, und die liegt bei Stahl auf Stahl nur bei rund 15 % der Haftkraft.
- Faustregel: einzelne Blätter ab etwa 2 kg Katalogwert, Karton und Stapel ab etwa 5 kg.
- Gummierte Magnete rutschen weniger und schonen das Glas. Neodym gehört nicht in Reichweite kleiner Kinder.
Warum normale Magnete an Glas abrutschen
Eine Glas-Magnettafel ist selbst nicht magnetisch. Hinter der Scheibe klebt ein dünnes Stahlblech, und an diesem Blech zieht der Magnet. Das Glas davor wirkt wie ein Abstandshalter. Bei einer lackierten Stahltafel liegt der Magnet praktisch direkt auf dem Metall, bei Glas trennen ihn mehrere Millimeter davon.
Wie viel das ist, beschreibt Supermagnete in seiner FAQ zu Glas-Magnettafeln (abgerufen am 24.10.2026): Bei Standard-Glastafeln aus dem Onlinehandel sind es etwa 4 bis 5 mm Glas vor einem Blech von rund 0,5 mm. Hochwertige Tafeln aus dem Fachhandel kommen mit etwa 3 mm Glas und rund 2 mm Metall aus. Beides wirkt gegen dich: dickes Glas vergrößert den Abstand, dünnes Blech nimmt weniger Magnetfeld auf.
Und der Abstand ist gnadenlos. In der Übersicht zu den Einflussfaktoren auf die Haftkraft (abgerufen am 24.10.2026) steht, dass schon ein halber Millimeter Luftspalt die Haftkraft halbieren kann. Bei 4 mm Glas plus Farbschicht plus Papier bleibt von einem schwachen Magneten nichts Brauchbares übrig. Deshalb hält dein Kühlschrankmagnet am Glas nicht einmal sich selbst.
Was die Haftkraft-Angabe im Shop bedeutet
„Hält ca. 4 kg“ klingt, als könntest du damit einen Wandkalender aufhängen. Das stimmt nur unter Laborbedingungen. Supermagnete misst nach eigener Angabe an einer 2 cm dicken Stahlplatte, der Magnet liegt direkt auf, gezogen wird senkrecht zur Fläche. Manche Anbieter messen sogar mit einer zweiten Stahlplatte auf der Oberseite und kommen so auf deutlich höhere Werte. In der FAQ zu abweichenden Haftkraftangaben (abgerufen am 24.10.2026) nennt der Händler einen Quader von 50 × 50 × 25 mm, den Konkurrenten mit 400 kg bewerben, während er selbst rund 100 kg angibt.
An der Glastafel kommt noch etwas hinzu. Dein Magnet soll nicht senkrecht von der Tafel gezogen werden, er soll an einer senkrechten Fläche nicht nach unten rutschen. Dafür zählt die Verschiebekraft. Laut Supermagnete-FAQ zu Haft- und Verschiebekraft (abgerufen am 24.10.2026) liegt sie bei Neodym- und Ferritmagneten auf Stahl bei etwa 15 % der Haftkraft. Für 1 kg seitliche Last brauchst du also rund 6 kg Magnetkraft.
Achtung
Haftkraftangaben verschiedener Shops sind nicht vergleichbar, solange nicht dabei steht, wie gemessen wurde. Ein Magnet mit „7 kg“ bei Händler A kann in der Praxis schwächer sein als einer mit „4 kg“ bei Händler B. Vergleiche Größe und Bauform, nicht nur die Kilozahl.
Durchgerechnet: Was ein Magnet an Glas leisten muss
Nehmen wir den Klassiker im Flur: Stundenplan, zwei Elternbriefe und ein Rezept, alles auf normalem Druckerpapier. Ein Blatt A4 hat 0,0625 m², bei 80 g/m² wiegt es also 5 Gramm. Vier Blätter unter einem Magneten sind 20 Gramm.
Durchgerechnet
20 g Papier plus der Magnet selbst (ein Würfel mit 10 mm Kantenlänge wiegt aus Neodym grob 7 bis 8 g) ergeben knapp 30 g Last nach unten. Mit dem Faktor 6 aus der Verschiebekraft-Regel braucht der Magnet an der Glasoberfläche, durch Glas und vier Lagen Papier hindurch, noch rund 180 g wirksame Haftkraft. Ein Würfel mit 3,8 kg Katalogwert hat damit auf dem Papier gut das Zwanzigfache an Reserve. Diese Reserve ist auch nötig, denn 4 mm Glas, eine dünne Farbschicht und ein Blech von 0,5 mm statt 2 cm Stahl fressen den größten Teil davon auf.
Wie viel genau übrig bleibt, hängt von deiner Tafel ab, und kein Hersteller veröffentlicht Messwerte durch Glas. Die Rechnung zeigt aber, warum Magnete mit wenigen hundert Gramm Katalogwert an Glas chancenlos sind und warum Supermagnete selbst für einzelne Notizen Modelle ab etwa 1 kg aufwärts empfiehlt. Willst du dicken Karton oder einen ganzen Stapel anhängen, wächst die Last schnell auf das Mehrfache. Dann brauchst du die größeren Kaliber aus der Tabelle unten.
Welcher Magnet für welchen Zweck
Die folgende Tabelle beruht auf den Glasboard-Empfehlungen von Supermagnete. Die Haftkraftwerte sind Herstellerangaben nach dem oben beschriebenen Messverfahren, abgerufen am 24.10.2026. Die Einordnung, wofür welcher Typ taugt, ist meine Faustregel.
| Wenn du … aufhängen willst | dann nimm | Beispiel mit Herstellerangabe |
|---|---|---|
| einen Zettel, ein Foto, eine Postkarte | Neodym-Würfel oder -Scheibe, 7 bis 8 mm | Scheibe 8 × 8 mm, ca. 2,5 kg |
| zwei bis vier Blätter, Kinderbilder | Würfel oder Scheibe, 10 mm | Scheibe 10 × 10 mm, ca. 3,9 kg; Würfel 10 mm, ca. 3,8 kg |
| Karton, Einladungskarten, kleine Stapel | Scheibe 12 bis 15 mm | Scheibe 15 × 8 mm, ca. 6,2 kg |
| Dinge, die du täglich umhängst | Kegelmagnet mit Griff, 20 bis 25 mm | Kegel 25 mm, ca. 8,6 kg |
| alles, was nicht rutschen und das Glas nicht berühren soll | gummierte Scheibe | Scheibe 16,8 × 9,4 mm gummiert, ca. 3,7 kg |
Auffällig ist, was in der Empfehlungsliste fehlt. Kein einziger Magnet dort ist flacher als 4 mm. Ratgeber, die für 4 mm Glas hauchdünne Plättchen von 1 mm Höhe empfehlen, unterschätzen den Abstand. Ein Neodym-Magnet holt seine Reichweite aus seiner Höhe, ein dünnes Plättchen hat viel Fläche, aber ein Feld, das kurz hinter der Oberfläche zusammenbricht. Ebenfalls ungeeignet sind laut Supermagnete Topfmagnete, Magnetband und Büromagnete mit Stahlkappe oder hohem Eigengewicht. Topfmagnete bündeln ihr Feld auf eine Fläche, sind aber genau deshalb auf direkten Kontakt angewiesen.
Gummierte Magnete sind die unterschätzte Wahl. Sie haben auf dem Papier weniger Haftkraft als die nackte Variante gleicher Größe (3,7 statt 6,2 kg), rutschen aber dank Reibung deutlich weniger. Supermagnete schreibt, dass sich die Verschiebekraft mit der richtigen Materialwahl auf bis zu 50 % der Haftkraft steigern lässt. Gleichzeitig zerkratzen sie das Glas nicht. Wer bereits einen Satz nackter Neodym-Magnete hat, kann alternativ kleine Silikon- oder Gummiplättchen unterkleben.
Fertige Sets gibt es unter Neodym-Magneten für Glas-Magnettafeln*. Wenn dir Kratzschutz wichtig ist, schau dir gezielt gummierte Neodym-Magnete* an. Achte bei Sets darauf, dass Durchmesser und Höhe angegeben sind. Fehlen die Maße, fehlt auch die Grundlage für eine Kaufentscheidung.
Die Tafel entscheidet mit
Derselbe Magnet hält an zwei Glastafeln sehr unterschiedlich. Die Tafel mit 3 mm Glas und 2 mm Blech hat gleich zwei Vorteile gegenüber der mit 5 mm Glas und 0,5 mm Blech: weniger Abstand und mehr Stahl, der das Feld aufnimmt. Leider stehen genau diese beiden Werte selten im Shop. Wenn du noch keine Tafel hast, lohnt eine Nachfrage beim Händler, bevor du bestellst.
- Steht „magnetisch“ oder „magnethaftend“ in der Beschreibung? Glastafeln ohne Stahlrücken werden oft als Glasboard oder Memoboard verkauft und halten gar keinen Magneten.
- Wie dick ist das Glas? 4 mm sind üblich, alles darüber macht es den Magneten schwerer.
- Wie dick ist das Blech dahinter? Als Faustregel: Eine Angabe von 1 mm oder mehr ist ein gutes Zeichen.
- Liegen Magnete bei, und welche? Hersteller, die passende Neodym-Magnete mitliefern, wissen, was ihre Tafel braucht.
Mehr zum Aufbau, zum ESG-Sicherheitsglas und zum Gewicht steht im Ratgeber zum Glas-Whiteboard. Wenn du noch zwischen Glas und lackiertem Stahl schwankst, hilft der Überblick über alle Bauarten im Ratgeber Magnettafel.
Wenn nichts hält: die typischen Ursachen
Die Frage „Warum hält an meiner Glastafel nichts?“ taucht in Foren immer wieder auf, meist ohne Antwort, die über „kauf stärkere Magnete“ hinausgeht. Geh die Punkte in dieser Reihenfolge durch.
- Die Tafel hat keinen Stahlrücken. Test: Halte einen starken Neodym-Magneten an die Mitte. Spürst du gar keinen Zug, ist die Tafel nicht magnetisch, und kein Magnet der Welt hilft.
- Es sind Ferritmagnete. Die bunten, leichten Magnete aus Kunststoff mit dunklem Kern taugen für Stahltafeln, nicht für Glas.
- Der Magnet ist zu flach. Plättchen mit 1 bis 2 mm Höhe haben an Glas kaum Reichweite, auch wenn sie aus Neodym sind.
- Zu viel zwischen Magnet und Glas. Jedes Blatt, jede Folie und jeder Karton vergrößert den Abstand. Bei Fotos auf dickem Papier hilft ein Magnet eine Nummer größer.
Zwei Fehler machen die Tafel kaputt statt nur nutzlos. Neodym-Magnete, die zu dicht nebeneinander sitzen, springen seitlich zusammen und können dabei zersplittern. Und wer Magnete über die Scheibe schiebt, statt sie abzuheben, zieht Staubkörner wie Schleifpapier über das Glas. Supermagnete rät ausdrücklich davon ab, unbeschichtete Magnete über die Fläche zu schieben.
Kinder, Herzschrittmacher, Bankkarten
Neodym-Magnete sind klein und stark, und Kleinkinder stecken Kleines in den Mund. Die Kommunale Unfallversicherung Bayern beschreibt in ihrer Zeitschrift Unfallversicherung aktuell, Ausgabe 2/2019, was passiert, wenn ein Kind zwei oder mehr Magnete verschluckt: Sie ziehen sich durch die Darmwände hindurch an, können Darmschlingen einklemmen oder durchbrechen, und die ersten Beschwerden sehen aus wie ein gewöhnlicher Magen-Darm-Infekt.
Für Kitas empfiehlt die KUVB, Magnettafeln mindestens 1,70 m hoch zu montieren oder nur Magnete größer als 31,7 mm ohne lösbare Kleinteile zu verwenden. 31,7 mm ist der Durchmesser des Prüfzylinders für verschluckbare Kleinteile. Starke Neodym-Magnete gehören nach dieser Empfehlung erst ab 14 Jahren in Kinderhände. Diese Regeln sind für Kitas geschrieben, ich halte sie für Familien mit kleinen Kindern genauso sinnvoll. Wie du die richtige Montagehöhe umsetzt, steht im Ratgeber Whiteboard aufhängen, Ideen für Tafeln, die Kinder selbst nutzen dürfen, im Beitrag zum Whiteboard im Kinderzimmer.
Achtung
Besteht der Verdacht, dass ein Kind Magnete oder Magnete zusammen mit Metallteilen verschluckt hat, geh sofort zum Arzt, auch wenn es dem Kind noch gut geht. Das rät die KUVB ausdrücklich.
Bei Implantaten und Karten geht es um Zentimeter, nicht um Meter. Supermagnete nennt in seiner Tabelle zu Sicherheitsabständen (abgerufen am 24.10.2026) für eine Neodym-Scheibe mit 15 mm Durchmesser folgende Werte, ab denen das Feld schaden kann: 62 mm bei neueren und 80 mm bei älteren Herzschrittmachern, 15 mm bei hochwertigen Magnetkarten, 42 mm bei billigen Karten wie Parktickets. Für eine Scheibe mit 10 mm sind es 35 mm beim neueren Herzschrittmacher und 9 mm bei der Bankkarte.
Im Alltag heißt das: Die Tafel selbst ist kein Problem, wohl aber die Magnetdose in der Hosentasche oder das Portemonnaie, das jemand an der Tafel ablegt. Wer einen Herzschrittmacher trägt, bewahrt Magnete nicht in der Brusttasche auf und klärt den nötigen Abstand im Zweifel mit dem behandelnden Arzt.
Meine Empfehlung
Kauf für eine normale Glastafel im Flur oder in der Küche einen Satz Neodym-Magnete mit 10 mm Kantenlänge oder Durchmesser und mindestens 4 mm Höhe, idealerweise gummiert. Damit hängen Zettel, Fotos und kleine Stapel sicher. Ergänze zwei oder drei Kegelmagnete mit Griff für alles, was du täglich ab- und wieder anhängst. Mehr brauchen die meisten Haushalte nicht.
Nicht lohnen wird sich eine Glastafel für dich, wenn dort dauerhaft viel Papier, ein schwerer Kalender oder ganze Prospekte hängen sollen. Dann arbeitest du gegen 4 mm Glas, und eine lackierte oder emaillierte Stahltafel macht es dir leichter, weil dort auch günstige Magnete halten. Ebenso wenig passt Glas mit Neodym-Magneten in eine Wohnung, in der Kinder unter drei Jahren unbeaufsichtigt an die Tafel kommen. Wenn die Tafel nicht hoch genug hängen kann, nimm dort eine Stahltafel mit großen Magneten oder eine Klemmleiste.
Häufige Fragen
Welche Magnete halten an einer Glas-Magnettafel?
Nur Neodym-Magnete halten zuverlässig. Für einzelne Blätter reichen Würfel oder Scheiben mit 8 bis 10 mm und mindestens 4 mm Höhe, für Karton und Stapel nimmst du 12 bis 15 mm oder Kegelmagnete mit Griff. Ferritmagnete, Magnetband und Topfmagnete sind ungeeignet.
Wie viel Haftkraft braucht ein Magnet für eine Glastafel?
Als Faustregel ab etwa 2 kg Katalog-Haftkraft für einzelne Blätter und ab etwa 5 kg für Karton oder mehrere Lagen. Die Angaben gelten für direkten Kontakt mit dickem Stahl, an der Glastafel kommt nur ein kleiner Teil davon an. Seitlich hält ein Magnet auf Stahl nur rund 15 % seiner Haftkraft.
Warum hält an meiner Glas-Magnettafel nichts?
Meist sind die Magnete zu schwach oder zu flach, oder die Tafel hat gar keinen Stahlrücken. Teste mit einem starken Neodym-Magneten in der Mitte der Tafel. Spürst du keinen Zug, ist die Tafel nicht magnetisch. Hält er, brauchst du einfach stärkere Magnete.
Zerkratzen Neodym-Magnete das Glas?
Das Glas selbst ist hart, aber Staub unter einem verschobenen Magneten kann Spuren hinterlassen. Heb Magnete deshalb ab, statt sie zu schieben. Gummierte Magnete oder untergeklebte Silikonplättchen schützen die Oberfläche und rutschen zusätzlich weniger.
Sind Neodym-Magnete für Kinder gefährlich?
Ja, wenn ein Kind zwei oder mehr davon verschluckt. Die Magnete ziehen sich durch die Darmwände an und können lebensgefährliche Verletzungen verursachen. Die KUVB empfiehlt starke Neodym-Magnete erst ab 14 Jahren und Magnettafeln in Kitas ab 1,70 m Höhe.
Können Magnete an der Tafel meine Bankkarte löschen?
Nur aus nächster Nähe. Laut Supermagnete kann eine Neodym-Scheibe mit 15 mm Durchmesser eine hochwertige Magnetkarte ab 15 mm Abstand beschädigen, billige Karten wie Parktickets ab 42 mm. Leg dein Portemonnaie also nicht direkt an die Magnete.
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